Das Windtelefon: die japanische Telefonzelle, in der die Trauer durch "Gespräche" mit dem Verstorbenen verarbeitet wird - Curioctopus.de
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Das Windtelefon: die japanische Telefonzelle, in der die Trauer durch "Gespräche" mit dem Verstorbenen verarbeitet wird

Von Barbara
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Der Verlust eines geliebten Menschen ist eine der größten Tragödien, mit denen wir alle in unserem Leben konfrontiert sind. Viele scheinen sich nie von dem Ereignis zu erholen. Ob sie enge Freunde oder Blutsverwandte sind, die Überwindung einer Trauer ist nie leicht. Sehr oft hatten einige der engsten Verwandten des Verstorbenen oder sogar seine Freunde keine Gelegenheit, sich vor seinem Tod von ihm zu verabschieden, weil es manchmal zu plötzlich ist.

via: BBC

Um sich an die zu wenden, die weg sind und die Dinge sagen, die zu Lebzeiten nicht gesagt wurden, gibt es die ebenso originelle wie poetische japanische Idee von "Kaze No Denwa", wörtlich "die Wind-Telefonzelle". Auf einem Hügel in der japanischen Stadt Otsuchi gelegen, wurde diese Zelle 2010 konzipiert, ohne die Funktion zu haben, die sie heute hat.

Itaru Sasaki verlor seinen Cousin während des schrecklichen Tsunamis 2011 und wollte seitdem immer mit ihm in Kontakt bleiben, auch wenn er nun in ein besseres Leben übergegangen ist. Deshalb hat Sasaki einen intimen Raum geschaffen, in dem die Nächsten der Verstorbenen ein letztes Mal mit denen "sprechen" können, die sie plötzlich verloren haben.

 

Sasaki hat die Telefonzelle renoviert, indem er ein Buch rein gelegt hat, in das  Freunde und Verwandte dem lieben Verstorbenen eine letzte Nachricht hinterlassen können, sowie ein Telefon mit einem Hörer, der nicht an eine Telefonleitung angeschlossen ist. Dazu sagt Sasaki: "Wenn einige Gedanken nicht über die Telefonleitung getragen werden können, so möchte ich, dass sie zumindest vom Wind getragen werden."

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Und nun strömen Tausende von Neugierigen aus ganz Japan in das kleine Dorf Otsuchi, um denjenigen, die nicht mehr auf dieser Erde sind, eine letzte Botschaft der Liebe zu hinterlassen. In der Tat, wie der 72-Jährige, der diese spezielle Telefonzelle geschaffen hat, sagt: "Das Telefon ist nicht eingesteckt, dennoch glauben die Leute, dass ihre Toten immer noch am anderen Ende des Telefons zuhören. Ich will, dass die Leute ihre Gefühle ausdrücken, bevor es zu spät ist. So oder so."

Und es gibt sicher keine poetischere und intimere Art, sich endgültig von einem geliebten Menschen zu verabschieden, als seine letzten Worte, die in der unsichtbaren Telefonleitung des Windes hängen, auszusprechen. Vielleicht hören sie tatsächlich auf uns.

 

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